Geplantes Pumpspeicherwerk Atdorf

Die Planungen zum Bau des Pumpspeicherwerks Atdorf wurden vom BUND sehr kritisch gesehen, deshalb lehnt er das Bauvorhaben an diesem Standort ab. Einige wesentliche Gründe werden im Folgenden erläutert – die ausführliche BUND Stellungnahme umfasst rund 300 Seiten und kann beim BUND Hochrhein angefordert werden.

Baustelle PSW
"Abhau", zukünftig soll dort das Oberbecken stehen

Planfeststellungsverfahren zum Pumpspeicherwerk Atdorf

Der BUND bringt gegen das Projekt Atdorf folgende grundsätzliche Bedenken vor und sprach sich gegen eine Genehmigung des Pumpspeicherwerks Atdorf in der Planfeststellung aus:

Stellungnahme des BUND Baden Württemberg zum Planfeststellungsverfahren des PSW Atdorf:

Unzählige Lebensräume von Flora und Fauna werden zerstört oder massiv beeinträchtigt. Es wurden zahlreiche Ausnahmegenehmigungen beantragt z.B. nach §30 Abs. 3 BNatSchG, § 45 Abs. 7 BNatSchG, Ausnahmen und Befreiungen von Schutzgebieten u.a.

Einer der bedeutsamsten überregionalen Fernwildwege zwischen dem Schwarzwald und der Schweiz wäre zerstört beziehungsweise stark betroffen gewesen.

Durch die mehr als ein halbes Jahrzehnt andauernden Baumaßnahmen wäre es zu erheblichen Einschränkungen und Beeinflussungen des Wohn- und Erholungsumfelds an den Speicherseestandorten und den Zufahrtswegen gekommen. Die Belastung und gesundheitlichen Auswirkungen durch Arsenstäube wären erheblich gewesen und Geruchsbelästigungen wären aufgetreten. Für die Bevölkerung wär weniger Landschaft übriggeblieben. Die Nachteile einer solchen Anlage wären vor Ort im Hotzenwald, in Wehr und Bad Säckingen geblieben. Bad Säckingen als Kurstadt hätt Nachteile, denen keine messbaren wirtschaftlichen Vorteile (Steuern oder Arbeitsplätze) gegenüber gestanden wären.

Bevölkerung, Umwelt und Natur wären in unzumutbarer Weise durch Lärm, Staub, Verkehr und Abgase in Mitleidenschaft gezogen worden.

Besonders im Bereich des Unterbeckens wäre die Erholungsfunktion der Bevölkerung räumlich stark eingeschränkt mit negativen Auswirkungen auf den Kurstandort Bad Säckingen.

Es hätte massiv in den Wasserhaushalt des ganzen Projektgebietes eingegriffen. Dies zeigt sich daran, dass von 1.287 im Quellkataster erfassten Quellen 1.111 projektrelevant gewesen wären. Davon zählen 877 Quellen zu den nach § 30-BNatSchG bzw. § 32 NatSchG geschützten naturnahen Biotopen. Projektbedingt wären 703 geschützte Quellen in der Bauphase und 570 Quellen in der Anlagenphase erheblich nachteilig beeinträchtigt gewesen. Eine adäquate Ersatzwasserversorgung war nicht gewährleistet.

Zu befürchten wären, durch den Eingriff in das Landschaftsbild, ein Rückgang im Tourismusbereich. Das PSW Atdorf als positiv für den Tourismus zu bezeichnen ist nicht nachvollziehbar.

Im Bereich des Haselbeckens findet eine technische Überfrachtung der Landschaft durch verschiedene Großprojekte statt. Die A98 ist sowohl im derzeit gültigen, als auch im neuen Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf und wäre mit dem Pumpspeicherwerk nicht raumverträglich. gewesen.

Im Raumordnungsverfahren wurde das PSW Atdorf von der Vorhabensträgerin mit einem erhöhten Speicherbedarf aufgrund der Zunahme der Erneuerbaren Energien, besonders der Offshore-Windenergie begründet. Die Entfernung zu den Offshore-Windenergieanlagen beträgt rund 1000 km. Das Pumpspeicherwerk Atdorf wäre jedoch an die 380kV-Ebene angeschlossen worden, deshalb hätte es nicht der Speicherung von regenerativ erzeugtem Strom aus Solar- und Windkraftanlagen in räumlicher Nähe, sondern dem Betrieb von Großkraftwerken gedient.

Der BUND fordert daher die dezentralen Techniken der Alternativen Energieerzeugung, wie zum Beispiel der Solar- und Windkraftenergie und weitere zu fördern. Diese fördern eine dezentrale Produktion vor Ort und ebenso einen dezentralen Verbrauch. Zu diesem dezentralen Gedankenmodell der Energieversorgung steht das Pumpspeicherwerk als zentraler Speicher, abhängig von Großkraftwerken, die auf der 380 kV-Ebene einspeisen, in Konkurrenz.

Es gibt Alternativen, sowohl technischer Art, als auch der Bau von Pumpspeicherwerken außerhalb des betrachteten Raumes.

Das Erörterungsverfahren 2017

Das Erörterungsverfahren zu den Planungsunterlagen des PSW Atdorfs fand drei Wochen lang, vom 10. – 28.01.2017, in der Seebodenhalle in Wehr statt. Bei diesem Erörterungstermin wurden Einwendungen zu den Antragsunterlagen der Schluchseewerk AG und den Betroffenen behandelt. Der BUND nahm aktiv an der Erörterungsverhandlung teil. Wir ließen uns unterstützen vom Rechtsanwalt Phillipp Heinz und unserem Gutachter zu Natur- Artenschutz und Flora-Fauna- Habitat –(FFH)-Recht Matthias Schreiber. An der Verhandlung konnte jeder öffentlich als Zuhörer teilnehmen.

Die Schluchseewerk AG musste hier Argumente für ihre Planung vortragen. Das Landratsamt musste hier als Leiter der Verhandlung das Verfahren neutral und ergebnisoffen leiten und einen Interessensausgleich suchen.

Pressemitteilung zum Erörterungsthermin Pumpspeicherwerk Atdorf

Für immer verloren 

Der Bau des PSW Atdorf hätte Erholungslandschaft, Umwelt und Natur zerstört. Der BUND wertete den energiewirtschaftlichen Nutzen indes als nicht ausreichend.

Wehr. Zum Auftakt des Erörterungstermins zum Pumpspeicherwerk Atdorf (PSW Atdorf) haben heute (10.01.2017) BUND-Aktive den Bauplänen eine klare Absage erteilt. Sie mahnen: Durch den Bau des PSW Atdorf werden viele sehr seltene Tierarten zu Grabe getragen. „Umwelt und Natur werden durch das Projekt in unzumutbarer Weise belastet. Das Haselbachtal ist Heimat für streng geschützte Tiere und Pflanzen. Mit dem Bau verschwindet deren Lebensraum unwiederbringlich unter Beton und Asphalt. Dabei ist der gesellschaftliche Nutzen gering und rechtfertigt einen solchen Eingriff nicht. Der BUND fordert, dass die Genehmigung nicht erteilt wird“, erklärt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND in Baden-Württemberg, bei der Aktion vor der Seebodenhalle.

Für immer verloren: Wasserquellen und Heimat seltener Tiere

Das PSW Atdorf sollte mit seinen riesigen Betonwannen zwischen drei FFH-Gebiete gebaut werden. Durch die beim Bau entstandene Flächenversiegelung wären Quellen verloren gegangen, die diese FFH-Gebiete mit Wasser versorgen. Die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH) sind Teil des europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000, das dem Erhalt europaweit bedeutender Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten dient. 703 geschützte Quellen, Quellfluren, Gräben und Bäche sowie insgesamt 100 Hektar Wald standen am Standort des Ober- und Unterbeckens auf dem Spiel. Das entspricht einer Fläche von 150 Fußballfeldern.

Die streng geschützte Mopsfledermaus lebt und jagt bevorzugt hier im Hotzenwald. Ebenso wäre das Habitat der Spanischen Flagge in Gefahr gewesen. Der farbenfrohe Schmetterling steht auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten. Im Haselbachtal lebt zudem die Gelbbauchunke, deren Population im ganzen Land schwindet. Auch die Groppe, ein streng geschützter Fisch, der klare saubere Bäche braucht, wäre durch die Eingriffe in den Wasserhaushalt der Bergkuppe Abhau gefährdet gewesen.

Pumpspeicherwerke: Technik von gestern 

Kritisch sah der BUND Baden-Württemberg auch den energiewirtschaftlichen Nutzen. „Ein Pumpspeicherkraftwerk war in der alten Energiewelt vielleicht eine sinnvolle Speicherart. Doch es wird den Anforderungen der Zukunft mit Erneuerbaren Energien nicht gerecht. Wir brauchen keine weiteren Kurzzeit-Stromquellen. Wir brauchen Energiespeicher, die mehrere sonnen- und windarme Tage überbrücken können“, so Pilarsky-Grosch. 

Der Schluchseewerk AG ging es mit dem PSW Atdorf nicht darum, die Energiewende voranzubringen. Anders als der Öffentlichkeit dargestellt, verpflichtete sich das Unternehmen in den Antragsunterlagen nicht, nur Strom aus Erneuerbaren Energien zu speichern. Inge Böttinger, BUND-Vorsitzende der Ortsgruppe Wehr befürchtet: „Wie alle Pumpspeicherwerke wird sich das PSW Atdorf nicht am Takt der Erneuerbaren Energien, sondern am Strompreis orientieren und zur Gewinnsteigerung Preisspitzen ausnutzen. Somit würden Atom- und Kohlestrom unterstützt und der Energiewende und dem Klimaschutz geschadet.“ 

Traktordemo gegen das Pumpspeicherwerk am 23.01.2017

Mehr als 200 Menschen demonstrierten am Samstagmorgen, in Wehr, gegen das geplante Pumpspeicherwerk Atdorf. Unter den Demonstranten viele Landwirte vom Hotzenwald.

Raumordnungsverfahren zum Pumpspeicherwerk Atdorf aus dem Jahr 2010

Verfahrensrechtliche Vorfestlegung auf einen Standort, obwohl mehrere Standorte geprüft werden sollten.

Die Schluchseewerk AG hatte einseitig die Variante Atdorf forciert. Mit diesem Vorgehen würde den gesetzlichen Vorgaben auf EU, Bundes- und Landesebene nicht Genüge getan gewesen.

Ein ernsthafter Variantenvergleich des Antragstellers hat gefehlt. Der BUND betrachtete dies als schweren Mangel und forderte die gleiche Betrachtungstiefe bei allen Varianten, einschließlich der vom BUND eingebrachten Variante Ahaberg mit dem Schluchsee als Unterbecken.

Durch die Vorfestlegung der Schluchseewerk AG auf Atdorf würde eine verfahrenswidrige Festlegung auf einen Standort zementiert. Nur bei der Betrachtung räumlicher und funktionaler Alternativen lässt sich eine Aussage über die Notwendigkeit des Pumpspeicherwerks Atdorf machen.

Die energietechnische Entlastung des Netzes ist gering – es wird der Betrieb von Atomkraftwerken und Kohlekraftwerken unterstützt.

Das geplante PSW Atdorf sollte eine Leistung von 1,4 GW mit einer Speichermenge von ca. 14 GWh aufweisen. Bezogen auf den Gesamtspeicherbedarf in Europa träge dieses Pumpspeicherwerk damit weniger als 0,1% der Leistung und 0,001% der Speichermenge bei. Es wurde aufgezeigt, dass dieses Pumpspeicherwerk (wie auch die schon bestehenden) auch für den Betrieb von Grundlastkraftwerken, die mit Braunkohle oder Atomkraft betrieben werden, verbesserte Bedingungen schaffen würde.

Es braucht eine Systementscheidung in Richtung auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien und gegen Atomkraft und Kohle. Diese hätte von den Eigentümern der Schluchseewerke AG (EnBW und RWE) glaubwürdig vorangetrieben werden müssen. Vom Vorhabenträger müsste nachgewissen werden, dass der Pumpspeicher in eine schlüssige erneuerbare Energiekonzeption eingebunden wäre. Das Netz der erneuerbaren Energien muss, im Sinne von regionaler Organisation und überregionalem Austausch, grundlegend anders konzipiert werden als die bisherige Netzinfrastruktur.

Die bisherigen Planungen zum Pumpspeicherwerk sind aus naturschutzfachlicher Sicht unverantwortlich.

Das Vorhaben hätte direkt in Wasserschutzgebiete eingegriffen. Quellen, die Flora-Fauna Habitat (FFH) Gebiete speisen, wären durch die Versiegelung verloren gegangen. Bereits durch den Bau wären FFH Arten bedroht gewesen. Ein überregionaler Wildkorridor von der Schweiz in den Schwarzwald wäre ebenfalls betroffen gewesen. Zudem würden in den Wäldern Lebensräume von europaweit geschützten Arten zerstört. Diese Eingriffe hätten erhebliche Beeinträchtigungen der Natura 2000 Gebiete zur Folge gehabt. Entsprechend den gesetzlichen Anforderungen hätten Alternativen in den Planungen berücksichtigt werden müssen.

Nach Einschätzung des BUND würden durch das Vorhaben gleich mehrere Natura 2000- Gebiete in einem oder mehreren Erhaltungszielen in Mitleidenschaft gezogen. Es sind diese Gebiete:

    • Murg zum Hochrhein (DE8413341)
    • Weidfelder bei Gersbach und an der Wehra (DE8313341)
    • Südschwarzwald (DE8114441)

Die arten- und habitatschutzrechtlichen Betrachtungen fehlten in ausreichender Tiefe in den vorgelegten Unterlagen. Der BUND hält es daher für unverzichtbar, dass die vollständige Abarbeitung des arten- und habitatschutzrechtlichen Prüfungsprogramms für beide Projekte, das Pumpspeicherwerks Atdorf und die A98 im Ganzen zu erfolgen hat.

Das Unterbecken im Haseltal hätte im Untersuchungskorridor des Autobahnabschnittes A 98.6 gelegen. Dieser wurde mit einem naturschutzfachlichen Planungsvorbehalt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, wie auch der westlich anschließende Abschnitt der A 98.5. Schon aus diesem Grund ist es unverzichtbar beide Projekte in der Summe der Eingriffe und deren Auswirkungen zu erfassen und zu bewerten.

Beeinträchtigung der Heilquellen von Bad Säckingen.

Der Abschlussdamm II hätte direkt ohne Baugrenzenabstand am bisher fachtechnisch festgestellten Thermalquellenschutzgebiet gelegen. Im Bericht zum Raumordnungsverfahren ist zu lesen: „Am Hauptdamm und am Abschlussdamm II sind ohne Sondermaßnahmen seitliche Wasserverluste im Bereich der Widerlager möglich.“

Damit konnte die Verschmutzung der Heilquellen nicht ausgeschlossen werden.

Durch die Häufung von Großprojekten, vom Pumpspeicherwerk und der geplanten A98 wird die Region übermäßig belastet. Bevölkerung, Umwelt und Natur werden in unzumutbarer Weise durch Lärm, Staub, Verkehr und Abgase in Mitleidenschaft gezogen.

Spenden

Wollen Sie uns unterstützen und haben Sie Lust, aber keine Zeit aktiv beim BUND mitzuarbeiten?  Dann helfen Sie uns mit einer Spende!

 

Spenden sie ganz bequem und gezielt für den Spendenzweck, wo sie ihr Geld eingesetzt haben wollen. Folgen sie diesem >Link< um zu den Bank Daten des Spendenkontos zu gelangen. Danke, dass sie den BUND Regionalverband Hochrhein unterstützen.



Erfahren sie mehr über die Arbeit des BUND in der Region Hochrhein.

Suche