Amphibienschutz - wir retten Kröten, Frösche und Molche

Kröte oder Frosch? - Jedenfalls in guten Händen
Kröte oder Frosch? - Jedenfalls in guten Händen

Kröten, Frösche und Molche auf Wanderung

Vor allem im Frühjahr können die Frösche und Kröten sowie Molche bei Ihrer Wanderung beobachtet werden. Besonders zwischen Waldrändern und nahe gelegenen Weihern und Teichen sind die hüpfenden und kriechenden Amphibien anzutreffen. Damit die Amphibien an den Straßen nicht überfahren werden, bauen viele Naturschützer im Landkreis Krötenzäune auf. Die Amphibien sammeln sich in eingegrabenen Eimern an den Zäunen, wo sie von den Helfern über die Strasse getragen werden. Unter anderem bei Jestetten, Steinen und  bei Rümmingen  befinden sich Krötenzäune, die vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) betreut werden. Aber nicht nur an diesen Stellen sind die Amphibien unterwegs sondern auch in vielen anderen Gebieten des Landkreises, an denen sie Straßen überqueren müssen um zu ihren Laichgewässern zu kommen. Weibchen und Männchen der Amphibien wandern zu den gleiche Gewässern zurück, in denen sie selber geboren wurden. Auf dem Weg in die Laichgewässer bilden sich bereits Pärchen.
Die Männchen werden Huckepack von den größeren Weibchen mitgeschleppt. So kann sich das Männchen der Überzahl der Konkurrenten erwehren. Am Laichgewässer werden die Eier ins Wasser gelegt und besamt. Die Eier schwimmen sichtbar im Frühjahr als Laichballen im Wasser. Nach etwa drei Wochen schlüpfen die ersten Kaulquappen. Sie werden sich in den nächsten Monaten zu erwachsenen Tieren entwickeln.

Ein in der Öffentlichkeit relativ unbekanntes Idyll, das Wangental bei Jestetten

Das Wangental stellt eine grenzüberschreitende Verbindung zwischen dem Klettgau (Erzingen-D, Hallau-CH) und dem Rheintal her (Jestetten-D). Das Amphibienvorkommen im Wangental gilt als eines der größten in der Schweiz und in Baden-Württemberg. Viele der im Wangental vorkommenden Arten sind in Deutschland streng geschützt.

Seit Anfang der 1980er Jahre haben sich Naturschützer grenzüberschreitend für den Schutz der Amphibien beim Überqueren der viel befahrenen Straße durch das Wangental eingesetzt. Jeden Frühling haben sie einen mehrere 100 m langen Schutzzaun entlang der Straße errichtet.

Auf deutscher Seite geschah dies hauptsächlich durch den Sportfischerverein und den BUND. Die Hauptarbeit bei dieser Schutzmaßnahme, die tägliche Kontrolle der Fangeimer entlang des Zaunes, hat auf deutscher Seite Herr Reinhard Riegel aus Jestetten übernommen. Aus Altersgründen war für Herrn Riegel absehbar, dass er diese anstrengende Arbeit nicht unbegrenzt weiterführen kann. Die Suche nach Nachfolgern blieb leider erfolglos. Gleichzeitig hat Herr Riegel seit 2009 mit Unterstützung des BUND beim Regierungspräsidium (RP) Freiburg den Bau von dauerhaften Durchlässen unter der Landesstraße 165 im amphibienrelevanten Bereich eingefordert. Das RP ist Träger der Straßenbaulast für die L 165 und Höhere Naturschutzbehörde. Herr Riegel kündigte weiterhin schon 2009 an, dass er seine ehrenamtliche Arbeit einstellen wird, wenn seitens des RP nichts passiert.

Während der Kanton Schaffhausen auf Schweizer Seite schon Ende 2009 zwei Durchlässe im Wangental gebaut hat, waren auf Deutscher Seite keine Fortschritte zu erkennen. Herr Riegel kündigte sein Engagement daraufhin im Frühjahr 2011 konsequenterweise endgültig auf. Im Jahr 2012 fand als Notlösung eine Betreuung der Schutzzäune mit Helfern aus der Region statt.

Man kann zum Naturschutz und speziell zu den beschriebenen Schutzaktionen stehen wie man will: ohne dieses Engagement wäre in den vergangenen Jahren jedes Frühjahr höchstwahrscheinlich die Straße durch das Wangental für zwei-drei Monate gesperrt worden. Eine Straßensperrung kommt zum Zuge, wenn der Artenschutz auf andere Weise nicht gewährleistet ist. Die Sperrung wäre während der Wanderzeit der Amphibien, also vom Abend bis zum Morgen, erfolgt. Genau diese Gefahr sehen wir nun für 2013 und die Folgejahre. Das RP Freiburg ist derzeit dabei, gerade einmal einen Durchlass zu planen. Diese Planung erfolgt nur, weil Regierungsrat Dubach vom Kanton Schaffhausen, Bürgermeisterin Sattler (Jestetten) und Landrat Bollacher (Waldshut) Anfang 2012 beim RP massiv einen angemessenen Amphibienschutz eingefordert haben. Zu diesem Zeitpunkt stand das Zustandekommen der Rettungsaktion 2012 noch nicht fest und es drohte schon für dieses Frühjahr eine Straßensperrung. Mit einem Durchlass sehen wir den Amphibienschutz jedoch in keiner Weise gewährleistet. Die zu schützende Strecke hat auf Deutscher Seite eine Länge von mindestens 500 m. Dies erfordert den Bau von mindestens 10 Durchlässen.

Nachdem nun feststeht, dass das RP seit 2009 nur die Planung eines Durchlasses angepackt hat, sind die Helfer aus der Rettungsaktion 2012 nicht mehr bereit, weiterhin den Lückenbüßer für das RP zu machen und sich weiter zu engagieren. Damit stünde ab 2013 eine Straßensperrung auf der Agenda.

Chronologie und einige Daten zur Amphibienschutzaktion Tongrube Rümmingen

Die Aktivitäten werden in diesem Umfang seit dem Jahr 2003 in einer Kooperation der Interessengemeinschaft Tongrube Rümmingen mit dem BUND Lörrach-Weil durchgeführt.

Bereits vor 2002 wurden Amphibienschutzmassnahmen von Einzelpersonen gemacht. Das Problem war jedoch das unzureichende Zaunmaterialien wie ca. 250 m Hasenstallzaun, die von den Tieren überklettert wurden und die gesamte Wanderungszone nur zu einem Bruchteil abdecken konnten. - Die Helfer hatten wochenlang unter lebensgefährlichem Einsatz einen Teil der wandernden Tiere im laufenden Nachtverkehr von der Strasse aufgelesen. Im Jahr 2002 wurde dann die IG Tongrube Rümmingen gegründet. Durch die Gründung konnten alle personellen Kräfte gebündelt werden und die Beschaffung der finanziellen Mittel für den Kauf eines Maybach-Amphibienschutzzaunes mit Hilfe des BUND Orts- und Kreisverbandes sowie des Landratsamtes Lörrach angegangen und in 2003 beschafft werden.

In diesem Jahr wurde der Schutzzaun erstmals zur Amphibienwanderungszeit im Februar und März installiert. Die  gesamte Wanderungszone mit einer Länge von ca. 650 Meter für die Hin- u. Rückwanderung wurde eingezäunt. Von wenigen Tieren abgesehen, die im Bereich der Bachunterführung den Zaun unterquert hatten, konnten 1.574 Amphibien (Grasfrösche, Erdkröten und in kleinem Umfang Molche) von den Helfern sicher zu ihrem Laichbiotop gebracht werden.

Im Jahr 2004 wurden 100 Meter Amphibienschutzzaun nachbeschafft, um Wanderungsbereiche nach der Bachunterführung Richtung Wittlingen abzudecken. In diesem Jahr konnten 1.600 Tiere von den Helfern in Ihr Laichbiotop und zurück gebracht werden. Diese Zahlen steigerten sich im Jahr 2005 auf 3.300.

Im Rekordjahr 2006 wurden 6.163 Tiere sicher über die Landstrasse in ihr Laichbiotop und zurück gebracht. Durch den drohenden Abriss der Fabrikhallen der ehem. Tonwerke machte die Suche nach einem neuen Lagerplatz des umfangreichen Zaunmateriales notwendig. Nach vergeblichen Gesuchen unter anderem auch beim Gemeinderat Rümmingen, zeichnete sich die Lösung erst nach geduldigem Suchen in einer privaten Scheune in Rümmingen Ortsmitte ab.

Im Jahr 2007 brachen die Wanderungszahlen stark ein und lagen nur noch bei 1.419 Tieren, die in ihr Laichbiotop und zurück gebracht wurden. Auch in 2008 gab es eine weitere Reduktion der Wanderungszahlen auf nur noch 663 Tiere, die in ihr Laichbiotop und zurück befördert wurden.

Über die möglichen Gründe für die starke Abnahme der Individuen während der Wanderungsphase gibt es auch von Experten nur Mutmassungen:

Ungeschützte Rückwanderung der Jungtiere (Froschregen), die erst lange nach Abbau der Zäune sporadisch stattfindet. - Dies ist ein wichtiges Argument für eine feste Leitanlage inklusive Untertunnelung.

Änderungen der Wanderungsrichtungen sind möglich.

  1. Eine Überdüngung der angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen (Erdbeerfeld) kann zu einer Reduktion der Amphibienwanderungen führen.
  2. Ein Befall der Amphibien von Parasiten kann die Populationen dezimieren.
  3. Eine Vergrösserung der Anzahl der Fressfeinde kann bereits im Laichbiotop zu einem starken Rückgang der Anzahl von Jungtieren führen
  4. Störungen der Tiere im Laichbiotop von verschiedener Art

In den letzten beiden Jahren haben uns bekannte Amphibienschutzaktionen ähnliche Erfahrungen mit starken Rückgängen der Populationen gemacht.

Derzeit sind Abklärungen im Gange, ob der Bau einer festen Leiteinrichtung sinnvoll ist. Hauptargument für eine feste Leiteinrichtung inkl. Untertunnelung ist die bisher ungeschützte Rückwanderung der Jungtiere über den Sommer zu Ihren Winterquartieren. - Das Jahr über werden bei sommerlichem Regenwetter auch erwachsene Amphibien während ihrer sporadischen Wanderungsbewegungen in grosser Zahl in diesem Bereich überfahren.

Ein weiterer Grund ist der jedes Jahr gefährliche Einsatz für die Helfer, die bei Nacht und meist schlechtem Wetter Ihren enorm zeitaufwändigen Dienst an der stark und schnell befahrenen Landstrasse verrichten. Häufig wurden in den letzten Jahren Helfer trotz auffälliger Schutzkleidung von rücksichtslosen Autofahrern gefährdet, es kam unsererseits zu mehreren Anzeigen bei Polizei in Weil am Rhein.

Amphibienzaun bei Steinen

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