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Stellungnahme zum Runden Tisch des PSW Atdorf des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Der BUND erwartet durch den Runden Tisch eine ergebnisoffene faire Aufarbeitung der bisherigen ungenügend geblieben Antworten auch auf Seiten der Vorhabensträger und den beteiligten Behörden und Kommunen. Er erwartet nach Beendigung des Runden Tischs eine Neubewertung der Ausbaupläne zur Pumpsspeicherung durch die Schluchseewerk AG. Das Verfahren muss öffentlich und transparent durchgeführt werden, und alle Fragen vorbehaltlos beantwortet werden. Bis zum Ende der Runden Tischs dürfen keine technischen Arbeiten, die im Zusammenhang mit dem Vorhaben des Pumpspeicherwerks stehen, durchgeführt werden. Bis dato bestehen aus unserer Sicht in vielen Bereichen Unklarheiten und viele Fragen wurden von Seiten der Vorhabensträgerin und den beteiligten Behörden und Kommunen nur ungenügend beantwortet

Der BUND ist seit Jahren eine treibende Kraft der Energiewende in Deutschland. Das betrifft sowohl den Ausstieg aus der Atomenergie und der Kohleverstromung als auch den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Es steht für uns außer Zweifel, dass es neben den Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie auch die dafür nötige Infrastruktur braucht. Der Runde Tisch hat die Aufgabe das konkrete Projekt PSW Atdorf zu diskutieren und dabei das Thema Stromspeicher für eine zukunftsfähige Energieversorgung als wesentliche Referenzgröße zu berücksichtigen.

Bisher ist es der Schluchseewerk AG, als Vorhabensträger, nicht gelungen, auch nicht im Raumordnungs­verfahren, die energiewirtschaftliche Notwendigkeit dieses Pumpspeicher­werks in dieser Größenordnung und am favorisierten Standort nachzuweisen. Es wurde nicht nachgewiesen, wie der Energietransport von den geplanten bzw. im Bau befindlichen Offshore-Windkraftwerken über etwa 1.000 km verlustarm und dadurch wirtschaftlich ohne Zwischen­schaltung von anderen Kraftwerken bewerkstelligt werden soll. Das geplante Pumpspeicherwerk Atdorf wird auf der 380 kV-Ebene arbeiten. Bedingt durch die Netzhierarchie wird in diesem Pumpspeicherwerk Strom aus Großkraftwerken, wie etwa Atom-, und Kohlekraftwerken gespeichert werden. Zur Speicherung von Strom aus Photovoltaik oder Windkraft aus der Region ist es nicht geeignet.

Ein Projekt mit derart großen Eingriffen in Natur und Landschaft muss in seiner Notwendigkeit und seiner Standortwahl fachlich fundiert und transparent begründet werden. Ein naturnaher Wald geht durch die Flutung des Haselbachtals auf über 50 Hektar für Mensch und Natur verloren. Betroffen davon sind Erholungssuchende aber auch wertvolle Tierarten. Erschwerend wirkt sich für diesen Standort die Raumkonkurrenz zur A98 aus, deren Problematik auch im Rahmen des Raumordnungsverfahrens nicht gelöst wurde.

Am Standort des Oberbeckens auf dem Abhau verlieren durch die Entwaldung von 58 Hektar Wald seltene Arten und geschützte Arten ihren Lebensraum. Durch die Versiegelung dieser Fläche büßen viele Quellen ihr Wassereinzugsgebiet ein, andere werden vernichtet. Zum Beispiel wird unter anderem das Rohrmoos bedroht, eines nach europäischen Recht geschütztes Flora-Fauna-Habitat (FFH) Fläche. Ebenso gehen Hoch- und Niedermoorbereiche verloren, die hochwertige Lebensbereiche sind. Auch im weiteren Verlauf des Tals werden die Bach- und Feucht­lebensräume stark geschädigt und dadurch verändert.

Das bisherige Verfahren ist gekennzeichnet durch fehlende Transparenz, zu schnelle und zu weit gehende Genehmigungen für den Vorhabensträger, keine offene, ernsthafte Diskussion der Planungen mit den betroffenen Bürgern, deren Natur- und Landschaftsraum zerstört oder massiv verändert wird. Die von uns geforderte Alternativen­prüfung wurde nicht ausreichend durchgeführt.

                                                                                                     Bad Säckingen, 25. Juni 2011

Pumpspeicherwerk Atdorf im Verfahren

Die Schluchseewerke AG, ein Zusammenschluss von EnBW und RWE, planen den Bau eines weiteren Pumpspeicherwerks im Hotzenwald. Mit einer Leistung von 1400 MW soll es das größte Pumpspeicherwerk in Deutschland werden. Neben den in der Region bestehenden Anlagen, dem Schluchseepumpspeicherwerk, dem Wutachspeicherwerk und dem Pumpspeicherwerk Hornberg 1 soll das zusätzliche Pumpspeicherwerk Atdorf mit dem Oberbecken Hornberg 2 im Hotzenwald und Haselbecken bei Bad Säckingen gebaut werden.

Die Pumpspeicherwerke dienen zur Pufferung von Überkapazitäten von Großkraftwerken in Süddeutschland. Dadurch wird nicht nur die Produktion von Strom aus Kohle und Atomkraft in Süddeutschland gefördert, sondern auch die Produktion aus den Atomkraftwerken in der Schweiz und Frankreich abgepuffert. Das Kraftwerk Leibstadt ist 20 Kilometer Luftlinie entfernt, das Atomkraftwerk Fessenheim ist 40 Kilometer entfernt.

Das projektierte Pumpspeicherwerk Atdorf (PSW) wird mit zusätzlich benötigten Speicherkapazitäten für offshore-Windenergie begründet. Nach Ansicht des BUND am Hochrhein ist zu befürchten, dass auch das neue PSW aufgrund der räumlichen Nähe zu zahlreichen Atomkraftwerken und thermischen Großkraftwerken vorrangig zum Lastausgleich von Atom- und Kohlestrom genutzt wird. Wie die Speicherung und der Ausgleich von Strom aus erneuerbaren Energie real funktionieren soll, wurde von den Betreibern bisher nicht nachgewiesen.

Das Vorhaben ist mit enormen Eingriffen in die Landschaft und den Naturhaushalt verbunden. Für beide künstlichen Speicherbecken wird jeweils eine Fläche von 60 Hektar versiegelt. Neben der Beeinträchtigung von Wasserschutzgebieten sind direkt am Speicherbeckenstandort Quellen betroffen, die FFH-Gebiete speisen. Diese würden versiegelt und wären verloren. Des weiteren sind bereits bei den Bauarbeiten FFH-Arten betroffen. Es wird befürchtet, dass der überregionalen Fernwildwegs aus der Schweiz in den Schwarzwald stark eingeschränkt wird.

Der Hotzenwald ist eine Hochfläche am Südrand des Schwarzwalds. Er zeichnet sich durch eine schöne Erholungslandschaft mit Sicht auf die Schweizer Berge, aber auch auf den Dampfkegel des nahegelegenen Schweizer Atomkraftwerks Leibstadt aus. Der Hotzenwald besitzt eine reichhaltige Ausstattung aus Wäldern, Wiesen und Hochmooren. Neben der Landwirtschaft ist der Tourismus ein bedeutendes Standbein.

Der BUND Hochrhein beteiligt sich an dem Raumordnungsverfahren und dem Planfeststellungsverfahren als kritische Stimme. Der BUND Hochrhein hat einen Sitz in der bereits gebildeten ökologischen Begleitkommission. Hier ist die Aufgabe des BUND, dieses Großprojekt zu hinterfragen. (UF)



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