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Amphibienschutz - wir retten Kröten, Frösche und Molche

Kröte oder Frosch? - Jedenfalls in guten Händen

Kröten, Frösche und Molche auf Wanderung

Vor allem im Frühjahr können die Frösche und Kröten sowie Molche bei Ihrer Wanderung beobachtet werden. Besonders zwischen Waldrändern und nahe gelegenen Weihern und Teichen sind die hüpfenden und kriechenden Amphibien anzutreffen. Damit die Amphibien an den Straßen nicht überfahren werden, bauen viele Naturschützer im Landkreis Krötenzäune auf. Die Amphibien sammeln sich in eingegrabenen Eimern an den Zäunen, wo sie von den Helfern über die Strasse getragen werden. Unter anderem bei Steinen, bei Rümmingen und bei Degerfelden befinden sich Krötenzäune, die vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) betreut werden. Aber nicht nur an diesen Stellen sind die Amphibien unterwegs sondern auch in vielen anderen Gebieten des Landkreises, an denen sie Straßen überqueren müssen um zu ihren Laichgewässern zu kommen. Weibchen und Männchen der Amphibien wandern zu den gleiche Gewässern zurück, in denen sie selber geboren wurden. Auf dem Weg in die Laichgewässer bilden sich bereits Pärchen.
Die Männchen werden Huckepack von den größeren Weibchen mitgeschleppt. So kann sich das Männchen der Überzahl der Konkurrenten erwehren. Am Laichgewässer werden die Eier ins Wasser gelegt und besamt. Die Eier schwimmen sichtbar im Frühjahr als Laichballen im Wasser. Nach etwa drei Wochen schlüpfen die ersten Kaulquappen. Sie werden sich in den nächsten Monaten zu erwachsenen Tieren entwickeln.

Chronologie und einige Daten zur Amphibienschutzaktion Tongrube Rümmingen

Die Aktivitäten werden in diesem Umfang seit dem Jahr 2003 in einer Kooperation der Interessengemeinschaft Tongrube Rümmingen mit dem BUND Lörrach-Weil durchgeführt.

Bereits vor 2002 wurden Amphibienschutzmassnahmen von Einzelpersonen gemacht. Das Problem war jedoch das unzureichende Zaunmaterialien wie ca. 250 m Hasenstallzaun, die von den Tieren überklettert wurden und die gesamte Wanderungszone nur zu einem Bruchteil abdecken konnten. - Die Helfer hatten wochenlang unter lebensgefährlichem Einsatz einen Teil der wandernden Tiere im laufenden Nachtverkehr von der Strasse aufgelesen. Im Jahr 2002 wurde dann die IG Tongrube Rümmingen gegründet. Durch die Gründung konnten alle personellen Kräfte gebündelt werden und die Beschaffung der finanziellen Mittel für den Kauf eines Maybach-Amphibienschutzzaunes mit Hilfe des BUND Orts- und Kreisverbandes sowie des Landratsamtes Lörrach angegangen und in 2003 beschafft werden.

In diesem Jahr wurde der Schutzzaun erstmals zur Amphibienwanderungszeit im Februar und März installiert. Die  gesamte Wanderungszone mit einer Länge von ca. 650 Meter für die Hin- u. Rückwanderung wurde eingezäunt. Von wenigen Tieren abgesehen, die im Bereich der Bachunterführung den Zaun unterquert hatten, konnten 1.574 Amphibien (Grasfrösche, Erdkröten und in kleinem Umfang Molche) von den Helfern sicher zu ihrem Laichbiotop gebracht werden.

Im Jahr 2004 wurden 100 Meter Amphibienschutzzaun nachbeschafft, um Wanderungsbereiche nach der Bachunterführung Richtung Wittlingen abzudecken. In diesem Jahr konnten 1.600 Tiere von den Helfern in Ihr Laichbiotop und zurück gebracht werden. Diese Zahlen steigerten sich im Jahr 2005 auf 3.300.

Im Rekordjahr 2006 wurden 6.163 Tiere sicher über die Landstrasse in ihr Laichbiotop und zurück gebracht. Durch den drohenden Abriss der Fabrikhallen der ehem. Tonwerke machte die Suche nach einem neuen Lagerplatz des umfangreichen Zaunmateriales notwendig. Nach vergeblichen Gesuchen unter anderem auch beim Gemeinderat Rümmingen, zeichnete sich die Lösung erst nach geduldigem Suchen in einer privaten Scheune in Rümmingen Ortsmitte ab.

Im Jahr 2007 brachen die Wanderungszahlen stark ein und lagen nur noch bei 1.419 Tieren, die in ihr Laichbiotop und zurück gebracht wurden. Auch in 2008 gab es eine weitere Reduktion der Wanderungszahlen auf nur noch 663 Tiere, die in ihr Laichbiotop und zurück befördert wurden.

Über die möglichen Gründe für die starke Abnahme der Individuen während der Wanderungsphase gibt es auch von Experten nur Mutmassungen:

Ungeschützte Rückwanderung der Jungtiere (Froschregen), die erst lange nach Abbau der Zäune sporadisch stattfindet. - Dies ist ein wichtiges Argument für eine feste Leitanlage inklusive Untertunnelung.

Änderungen der Wanderungsrichtungen sind möglich.

  1. Eine Überdüngung der angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen (Erdbeerfeld) kann zu einer Reduktion der Amphibienwanderungen führen.
  2. Ein Befall der Amphibien von Parasiten kann die Populationen dezimieren.
  3. Eine Vergrösserung der Anzahl der Fressfeinde kann bereits im Laichbiotop zu einem starken Rückgang der Anzahl von Jungtieren führen
  4. Störungen der Tiere im Laichbiotop von verschiedener Art

In den letzten beiden Jahren haben uns bekannte Amphibienschutzaktionen ähnliche Erfahrungen mit starken Rückgängen der Populationen gemacht.

Derzeit sind Abklärungen im Gange, ob der Bau einer festen Leiteinrichtung sinnvoll ist. Hauptargument für eine feste Leiteinrichtung inkl. Untertunnelung ist die bisher ungeschützte Rückwanderung der Jungtiere über den Sommer zu Ihren Winterquartieren. - Das Jahr über werden bei sommerlichem Regenwetter auch erwachsene Amphibien während ihrer sporadischen Wanderungsbewegungen in grosser Zahl in diesem Bereich überfahren.

Ein weiterer Grund ist der jedes Jahr gefährliche Einsatz für die Helfer, die bei Nacht und meist schlechtem Wetter Ihren enorm zeitaufwändigen Dienst an der stark und schnell befahrenen Landstrasse verrichten. Häufig wurden in den letzten Jahren Helfer trotz auffälliger Schutzkleidung von rücksichtslosen Autofahrern gefährdet, es kam unsererseits zu mehreren Anzeigen bei Polizei in Weil am Rhein.

Amphibienzaun bei Steinen

Dramatische Grasfroschwanderung in Rheinfelden (2000)

Dass es Probleme am Regenrückhaltebecken in Rheinfelden Degerfelden geben würde, war schon im letzten Jahr klar. Damals hatten Mitarbeiter der Baufirma bemerkt, dass die Pfütze die dem Bauwerk weichen musste, vor Kaulquappen nur so wimmelte. So wurde kurzerhand ein Ersatzgewässer geschaffen und die Tiere umgesiedelt. Ausserdem wurden die Becken der Schussrinne so gestaltet, dass auch sie als Laichgewässer geeignet erschien. Und nun ging es also los. In der ersten Wandernacht liefen hunderte von Grasfröschen in das Bauwerk hinein, stiegen ins Wasser und gingen jämmerlich zugrunde. Der frische Beton des Hochwasserbauwerks sorgte dafür, dass das Wasser einen pH-werte von ca. 13 erreichte – das geht auf keine Froschhaut. Nun war schnelles Handeln angesagt. Während die Baufirma dafür sorgte, dass das Wasser aus den Becken abfloss, bauten Mitarbeiter des BUND Regionalbüros unter Hilfe von Anwohnern und städtischen Angestellten einen Zaun der das gesamte Hochwasserschutzbecken abriegelte. Die Sammeleimer quollen über. Zahllose Nachtstunden gingen ins Land, bis deutlich wurde, dass der BUND es mit einem der größten Grasfroschvorkommen in der Region zu tun hatte: 13.000 Tier wurden eingesammelt. Inzwischen wurden an den Mauern dauerhafte Sperren angebracht, die die Arbeit der Helfer in den kommenden Jahren erleichtert. Auch über weitere Ersatzteiche wird nachgedacht.

Infos zum Mitmachen:
Thomas Lindenthal
Fritz-Rösslerstr. 21, 79618 Rheinfelden
Tel. 07623 / 61 436

Amphibienschutzmaßnahme in Wehr im Gewann Multscherle (2001)

Die BUND Ortsgruppe Wehr betreut an der B 518 zwischen Wehr und Öflingen sowie an einer parallel laufenden Wohngebietszufahrt nun schon seit über 15 Jahren eine Amphibienwanderung mit Zäunen und Straßensperrungen. Jährlich konnten hier ca. 2000 Tiere vor dem Straßentod bewahrt werden. Im Rahmen des Neubaus der B 518 als Umgehungsstraße, waren auf Hinweise des BUND zusätzliche Maßnahmen zum Schutz und zur langfristigen Sicherung der gefährdeten Lurcharten planfestgestellt worden. Jetzt sind diese Maßnahmen endlich umgesetzt. Sie umfassen 4 Ersatzlaichgewässer sowie eine festinstallierte Leiteinrichtung. Die neuen Laichgewässer liegen direkt im Zentrum der Amphibienwanderung, so dass die vorkommenden Arten (Grasfrosch, Erdkröte Feuersalamander, Berg- und Fadenmolch) bei ihren Wanderbewegungen zwischen Winterquartier, Laichplatz und Sommerlebensraum nun keine Straße mehr überqueren müssen. Die BUND-Ortsgruppe Wehr konnte durch die kontinuierliche Betreuung der Amphibienwanderung sowie durch die langfristig gute Zusammenarbeit mit Straßenbauamt und Landschaftsplaner einen bedeutenden Beitrag für den Artenschutz in unserer Region leisten. Der vor vielen Jahren am Ortsausgang Wehr in Richtung Todtmoos errichtete Amphibienzaun war anfangs 2001 so sehr verrottet, dass er seine Funktion nicht mehr erfüllen konnte. Die BUND-Gruppe in Wehr ließ von einer Fachfirma auch hier ein fest montiertes Amphibienleitsystem für 13.000 DM installieren. Die Arbeiten konnte noch vor der Amphibienwanderung im Februar 2001 abgeschlossen werden. Damit werden Frösche, Kröten und Molche zuverlässig vom gefährlichen Überqueren der Landstraße während der Laichzeit abgehalten.

Infos zum Mittmachen:
Inge Böttinger
Sonnhalde 23, 79664 Wehr-Öflingen
Tel. 07761 / 960 30

Amphibien wandern in Kandern (2003)

Auch in Malsburg-Marzell hat sich dankenswerterweise auf Initiative einer Anwohnerin eine Gruppe gebildet, die ebenfalls Amphibienschutzmaßnahmen am Dorfteich in Vogelbach übernimmt. Im Frühjahr wird ein von der Straßenmeisterei zur Verfügung gestellter Zaun installiert. Die BUND-Ortsgruppe hilft beim Aufbau, zusammen mit Schülerinnen und Schülern aus der Region. Die Situation der Amphibien macht immer noch große Sorge. In Sitzenkirch, wo früher pro Saison mehr als zwölfhundert Erdkröten von der BUND Ortsgruppe über die Straße getragen wurden, ist die Population zusammengebrochen. Auch in Kandern am Flühweiher gibt es nur noch wenige Amphibien. Noch Anfang der neunziger Jahre mussten hier Straßen gesperrt werden, um die Vielzahl der Kröten zu schützen. Der Rückgang kann nicht mit der Gefährdung durch die Straßen erklärt werden, er muss andere Ursachen haben. Nach Auskunft des Anglervereins könnte der Rückgang in Kandern u.U. damit zusammenhängen, dass unzulässigerweise Raubwelse im Teich ausgesetzt wurden. Inzwischen sind die Angler gegen dieses standortfremde Tier vorgegangen und es besteht die Hoffnung, dass sich der Amphibienbestand wieder erholt.

Infos zum Mitmachen:
Eberhard Platzek
Deckenmattstraße 12, 79400 Kandern
Tel. 07626 / 7770



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